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Fehlertoleranz vs. Hochverfügbarkeit: Was schützt Ihre IT wirklich?

Hochverfügbarkeit und Fehlertoleranz lösen dasselbe Problem auf zwei Wegen. Hochverfügbarkeit verkürzt den Ausfall, Fehlertoleranz verhindert ihn. Welcher Weg der richtige ist, entscheidet die Frage, ob Ihr kritischster Prozess eine Unterbrechung von Minuten verträgt oder nicht.

Kurzantwort

  • Hochverfügbarkeit (HA) reduziert die Ausfalldauer. Beim Ausfall startet das System auf einem anderen Knoten neu, die laufende Sitzung ist weg.
  • Fehlertoleranz (FT) vermeidet die Unterbrechung. Ein zweites System führt dieselbe Arbeit parallel aus und übernimmt ohne Neustart.
  • Die Entscheidungsfrage lautet nicht welche Technik besser ist, sondern wie viele Minuten Unterbrechung Ihr kritischster Prozess verträgt.
Netzwerk-Kabel als Symbol für redundante IT-Infrastruktur

Fehlertoleranz (FT) und Hochverfügbarkeit (HA) werden oft synonym verwendet — sind aber grundlegend verschiedene Technologien mit unterschiedlichen Schutzversprechen.

Hochverfügbarkeit: Bei Ausfall übernimmt ein Backup-System. Es gibt eine Unterbrechung (Sekunden bis Minuten) und potenziellen Datenverlust.

Fehlertoleranz: Zwei Systeme arbeiten synchron. Bei Ausfall eines Systems läuft das andere ohne klassischen Failover-Moment weiter; das Risiko von Datenverlust bei Hardwareausfall wird durch die synchrone Architektur deutlich reduziert.

Welche der beiden Architekturen für Ihren Betrieb die richtige ist, hängt an Ihren Anwendungen. Diventus plant und betreibt hochverfügbare Server in Berlin und setzt beide Ansätze ein.

Definitionen

Was ist Hochverfügbarkeit (High Availability)?

Hochverfügbarkeit beschreibt Systeme, die eine bestimmte Betriebszeit garantieren — typischerweise gemessen in „Neunen“:

99,9%Three Nines
8,7 Stunden Ausfallzeit
99,99%Four Nines
52,6 Minuten Ausfallzeit
99,999%Five Nines
5,3 Minuten Ausfallzeit
99,9999%Six Nines
31,5 Sekunden Ausfallzeit
99,99999%Seven Nines
3,2 Sekunden Ausfallzeit

Was ist Fehlertoleranz (Fault Tolerance)?

Fehlertoleranz geht über Hochverfügbarkeit hinaus. Anstatt bei einem Ausfall umzuschalten, arbeiten zwei Systeme permanent synchron. Technisch gibt es dafür zwei Wege: Lock-Step-Replikation in Hardware, bei der die Bauteile eines einzelnen Systems dupliziert werden, oder Software-Checkpointing auf zwei Standardservern, bei dem der Speicherzustand in Intervallen abgeglichen wird. Bei Ausfall eines Servers läuft der andere ohne klassischen Failover-Moment und ohne Neustart weiter; das Datenverlust-Risiko wird durch die synchrone Architektur deutlich reduziert.

Beispiel für Lock-Step-Hardware: Stratus ftServer. Beispiel für Software-Checkpointing: Stratus everRun. Für Edge-Standorte und höchste Anforderungen gibt es zudem ztC Edge und ztC Endurance.

Technischer Vergleich

Unterbrechung bei Ausfall
HA
Sekunden bis Minuten
FT
kein klassischer Failover-Moment
Datenverlust möglich
HA
Ja (Transaktionen, Cache)
FT
Nein
Failover nötig
HA
Ja (automatisch oder manuell)
FT
Nein
Neustart nötig
HA
Ja (VM oder Dienst)
FT
Nein
Synchronisationsart
HA
Shared Storage / Replikation
FT
Synchrone Redundanz (Lock-Step in Hardware oder Software-Checkpointing)
Typische Verfügbarkeit
HA
99,99% (52 Min/Jahr)
FT
99,99999% (3,2 Sek/Jahr)
Komplexität
HA
Mittel (Cluster-Konfiguration)
FT
Gering (2 Server, Software regelt alles)
Kosten
HA
Niedriger
FT
Höher (zusätzliche Hardware)
Einsatzgebiet
HA
Tolerierbare kurze Ausfälle
FT
Zero-Downtime-Anforderung

Die Spalten vergleichen Architekturklassen, keine Produktzusagen. Werte für ein konkretes Produkt stehen auf der jeweiligen Produktseite, z. B. Stratus everRun.

MTBF und MTTR: die beiden Kennzahlen dahinter

Verfügbarkeit wird aus zwei Größen gebildet. Wer nur eine davon betrachtet, kommt zu falschen Schlüssen.

MTBF (Mean Time Between Failures)

Die durchschnittliche Betriebszeit zwischen zwei Ausfällen. Ein hoher Wert bedeutet, dass Ausfälle selten sind. Er sagt nichts darüber aus, wie lange ein Ausfall dauert.

MTTR (Mean Time To Repair)

Die durchschnittliche Zeit von der Störung bis zum wiederhergestellten Betrieb. Ein niedriger Wert bedeutet kurze Ausfälle. Er sagt nichts darüber aus, wie oft sie auftreten.

Der Zusammenhang

Die Verfügbarkeit ergibt sich als MTBF geteilt durch die Summe aus MTBF und MTTR.

Verfügbarkeit = MTBF ÷ (MTBF + MTTR)

Genau hier liegt der Unterschied zwischen den beiden Ansätzen: Hochverfügbarkeit senkt die MTTR, die Ausfälle werden kürzer. Fehlertoleranz zielt darauf, dass ein Hardwareausfall gar nicht erst zu einer Unterbrechung des Dienstes führt.

High Availability und Fault Tolerance: die englischen Begriffe

Broadcom (VMware) und Penguin Solutions (Stratus) verwenden in ihrer technischen Dokumentation die englischen Bezeichnungen. Die Zuordnung ist eindeutig:

  • High Availability (HA) ist Hochverfügbarkeit. Kürzel in Herstellerunterlagen: HA.
  • Fault Tolerance (FT) ist Fehlertoleranz. Kürzel in Herstellerunterlagen: FT.

Wichtig beim Lesen von Datenblättern: Die beiden Begriffe bezeichnen auch bei ein und demselben Hersteller unterschiedliche Funktionen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Grenzwerten. Ein Angebot, das von Hochverfügbarkeit spricht, deckt nicht automatisch Fehlertoleranz ab.

VMware vSphere HA vs. Stratus everRun

VMware bietet mit vSphere sowohl HA als auch FT — aber mit Einschränkungen. Mehr zu VMware-Alternativen

Plattformvoraussetzungen
VMware
Abhängig von VMware-Version, Lizenz und VM-Konfiguration
everRun
Applikationsnah über die everRun-Architektur geplant
FT-VMs pro Host
VMware
Versions-, Lizenz- und Konfigurationsabhängig
everRun
Applikations- und Architekturplanung statt vSphere-FT-Limitlogik
Betriebssystem-Support
VMware
VMware-kompatible OS
everRun
Windows, Linux
Separates Monitoring
VMware
Nicht integriert
everRun
DCM verfügbar
Redundantes Internet
VMware
Nicht enthalten
everRun
becom.one verfügbar
Geo-Redundanz
VMware
vSphere Replication
everRun
SplitSite

Quellen: VMware vSphere 8 Dokumentation

Entscheidungshilfe: HA oder FT?

Kostet eine Minute Ausfall > 1.000 EUR?
Ja
FT
Nein
HA kann reichen
Sind RTO/RPO sehr niedrig oder regulatorisch relevant?
Ja
FT prüfen
Nein
HA kann reichen
Laufen Echtzeitprozesse (Fertigung, Leitstellen)?
Ja
FT
Nein
HA kann reichen
Ist Datenverlust im Cache inakzeptabel?
Ja
FT
Nein
HA
Reicht Ihr Budget nur für Cluster-Hardware?
Ja
HA
Nein
FT prüfen

Kosten eines Ausfalls

Die Frage ist nicht „Was kostet Fehlertoleranz?“ sondern „Was kostet ein Ausfall?“ Kostenfaktoren bei IT-Ausfall:

  • Produktivitätsverlust (Mitarbeiter können nicht arbeiten)
  • Umsatzausfall (Webshop, Transaktionssysteme, Produktion)
  • Vertragsstrafen (SLA-Verletzungen gegenüber eigenen Kunden)
  • Wiederherstellungskosten (IT-Personal, Überstunden, externe Hilfe)
  • Reputationsschaden (schwer quantifizierbar, aber real)
  • Regulatorische und operative Konsequenzen, wenn kritische Dienste nicht wiederanlaufen

(Richtwert, Warnung: Ausfallkosten-Statistiken beziehen sich oft auf Enterprise-Unternehmen und sind nicht direkt auf den Mittelstand übertragbar)

Häufige Missverständnisse

Macht RAID meinen Server ausfallsicher?

RAID schützt vor Festplattenausfall — nicht vor Serverausfall, Netzwerkausfall oder Standortausfall. Es ist eine Komponenten-Redundanz, kein Ausfallsicherheitskonzept.

Reicht unser Backup als Disaster Recovery?

Ein Backup schützt Daten, nicht Verfügbarkeit. Die Wiederherstellung dauert Stunden bis Tage — abhängig von Datenmenge und Komplexität.

Ist Cloud automatisch hochverfügbar?

Cloud-Anbieter bieten SLAs für ihre Infrastruktur. Die Verfügbarkeit Ihrer Anwendung ist Ihre Verantwortung. AWS garantiert z.B. 99,99% für EC2 — das sind 52 Minuten Ausfallzeit pro Jahr.

Ist Fehlertoleranz nur für Großunternehmen?

Stratus-Systeme sind für den Mittelstand konzipiert. Die Einstiegskonfiguration besteht aus zwei Standard-Servern mit everRun-Software. Die Frage ist nicht die Unternehmensgröße, sondern die Ausfallkosten.

Quellen und Einordnung

Diese Seite ordnet Hochverfügbarkeit und Fehlertoleranz aus Sicht geschäftskritischer Systeme ein. Konkrete Grenzwerte, Lizenzstufen und Voraussetzungen ändern sich mit den Produktversionen und sind vor einer Entscheidung am aktuellen Datenblatt zu prüfen.

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