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Produkte & Lösungen5 Min. Lesezeit17. Februar 2026Aktualisiert: 29. Juli 2026

Stratus everRun erklärt: So funktioniert Software-basierte Fehlertoleranz

Server-Hardware in einem Rechenzentrum für fehlertolerante Systeme

Stratus everRun ist eine Softwarelösung, die aus zwei Standard-Servern ein fehlertolerantes System macht. Anders als bei Cluster-Lösungen gibt es keinen Failover-Moment: Beide Server arbeiten permanent synchron. Fällt einer aus, läuft die Anwendung im fehlertoleranten Betrieb (everRun Enterprise) auf dem anderen weiter, laut Hersteller ohne Unterbrechung, ohne Neustart und ohne Datenverlust.

Dieser Artikel erklärt die technische Funktionsweise von everRun, das SplitSite-Konzept für Geo-Redundanz und den Unterschied zu VMware vSphere FT.

Software-Checkpointing: Das Kernprinzip

everRun installiert auf zwei physischen Servern jeweils eine virtuelle Maschine (VM). Beide VMs führen gleichzeitig dieselbe Anwendung aus. Die Synchronisation erfolgt über Speicher-Checkpoints: In definierten Intervallen werden die Speicherinhalte beider Maschinen abgeglichen. Jede Schreib-Operation, jede Transaktion und jeder Zustandswechsel wird laut Hersteller auf beiden Servern identisch abgebildet.

Das Ergebnis: Zu jedem Zeitpunkt befinden sich beide Server in exakt demselben Zustand. Wenn Server A ausfällt, muss Server B nicht „übernehmen“ — er führt die Arbeit einfach weiter. Es gibt keinen Umschaltmoment und keinen Neustart der Anwendung; laut Hersteller geht dabei keine laufende Transaktion verloren.

Technischer Ablauf
  1. 1.Zwei physische Server werden mit der everRun-Software konfiguriert
  2. 2.Auf beiden Servern läuft je eine VM mit identischer Anwendung
  3. 3.Speicher-Checkpoints synchronisieren den Zustand in definierten Intervallen
  4. 4.Bei Hardwareausfall eines Servers läuft die VM auf dem anderen ohne Umschaltmoment weiter
  5. 5.Nach Reparatur wird der ausgefallene Server automatisch resynchronisiert

In älteren Unterlagen und Fachartikeln wird dieses Verfahren auch als Lock-Step beschrieben. Der Hersteller bezeichnet everRun heute als softwarebasierte Fehlertoleranz mit Checkpointing. Der Unterschied zur gleichnamigen Hardware-Technik liegt darin, dass die Redundanz bei everRun in Software auf zwei Standardservern entsteht statt in replizierten Bauteilen eines einzelnen Systems. Wer diese Hardware-Variante sucht, findet sie beim Stratus ftServer.

Die Unterscheidung zur herkömmlichen Hochverfügbarkeit (HA) ist fundamental: HA-Systeme erkennen einen Ausfall und reagieren darauf. Fehlertolerante Systeme wie everRun sind darauf ausgelegt, den Ausfall unsichtbar zu machen: Anwendung und Nutzer bemerken nichts.

Quelle: Penguin Solutions, Stratus everRun Produktseite (abgerufen 29.07.2026). everRun Enterprise: 99,999 % Verfügbarkeit. Daraus umgerechnet: rund 5,3 Minuten Ausfall pro Jahr (eigene Umrechnung).

Server-Rack mit synchronisierter Hardware

SplitSite: Geographische Redundanz

Die Synchronisation der beiden Server muss nicht im selben Serverraum stattfinden. Mit der SplitSite-Funktion können die Server an geographisch getrennten Standorten betrieben werden — beispielsweise in zwei verschiedenen Gebäuden, Stadtteilen oder sogar Städten.

SplitSite schützt damit nicht nur vor Hardwareausfällen, sondern auch vor Standortrisiken: Brand, Hochwasser, Stromausfall, physische Beschädigung. Fällt ein gesamter Standort aus, läuft das System im fehlertoleranten Betrieb am zweiten Standort ohne Umschaltmoment weiter.

Die Voraussetzung für SplitSite ist eine Netzwerkverbindung zwischen beiden Standorten mit ausreichender Bandbreite und niedriger Latenz. Die konkreten Anforderungen hängen von der Datenmenge und der Checkpoint-Frequenz ab. (Quelle: Stratus SplitSite Dokumentation)

SplitSite vs. Disaster Recovery

SplitSite bietet Weiterbetrieb ohne den Umschaltmoment eines klassischen Failovers bei Standortausfall. Disaster Recovery (z.B. DCW) bietet Wiederherstellung nach Totalverlust, mit einer Ausfallzeit, die von der konfigurierten RTO abhängt. Beides schützt vor Standortrisiken, aber auf unterschiedlichen Ebenen.

Rechenzentrum mit Netzwerk-Infrastruktur für SplitSite

everRun vs. VMware vSphere FT

VMware vSphere bietet sowohl HA als auch einen FT-Modus. Der Vergleich zeigt die grundlegenden Unterschiede im Verfahren. Mehr zu VMware-Alternativen nach der Broadcom-Übernahme

KriteriumStratus everRunVMware vSphere FT
VerfahrenSoftware-Checkpointingin der zitierten Limits-Dokumentation nicht beschrieben
PlattformKVM auf Standard-x86-ServernvSphere / ESXi

Grenzwerte laut VMware-Dokumentation zu vSphere 8.0

  • vCPUs je geschützter VM: vSphere Standard und Enterprise bis 2, Enterprise Plus bis 8, vSphere Foundation bis 8
  • FT-geschützte VMs je Host: Standardwert 4 über den Parameter das.maxftvmsperhost. Die Dokumentation nennt ausdrücklich kein Maximum, der Wert lässt sich erhöhen oder mit 0 abschalten
  • FT-vCPUs je Host: Standardwert 8 über den Parameter das.maxftvcpusperhost. Auch hier nennt die Dokumentation kein Maximum, der Wert lässt sich erhöhen oder mit 0 abschalten

Diese Werte gelten für vSphere 8.0 und ändern sich mit Produktversionen und Lizenzmodellen. Vor einer Entscheidung am aktuellen Stand der Herstellerdokumentation prüfen.

Serverraum mit Cloud-Infrastruktur

Die Stratus-Produktfamilie

everRun ist das Software-Produkt für Rechenzentrumsumgebungen. Für spezialisierte Einsatzbereiche bietet Penguin Solutions (ehemals Stratus Technologies) zwei weitere Plattformen:

everRun

Rechenzentrum

Software-basierte Fehlertoleranz auf Standard-Servern. Für ERP, Datenbanken, geschäftskritische Anwendungen.

Details →

ztC Edge

Edge & Industrie

Kompakt, lüfterlos, robust. Für dezentrale Standorte, Maschinensteuerungen, Arztpraxen.

Details →

ztC Endurance

Höchste Anforderungen

Vorausschauende Fehlertoleranz mit modularer Architektur. 99,99999% Verfügbarkeit.

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Diventus ist Gold Partner von Penguin Solutions (ehem. Stratus Technologies)

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